Verlängerte Laktation

Heute bringt eine Milchkuh jedes Jahr ein Kalb zur Welt, damit sie stets genügend Milch gibt. Das muss so sein, sagt auf jeden Fall die gängige Lehrmeinung. Kurz nach der Geburt wird die Kuh also wieder besamt und die Laktation dauert in der Regel um die 300 Tage. Doch dies führt dazu, dass viel mehr Kälbchen geboren werden, als man zur Aufrechterhaltung der Milchkuhherde benötigt. Diese, vor allem männlichen, «Überschuss-Kälber» werden meist in sehr jungem Alter auf einen fremden Mastbetrieb transportiert und dort präventiv mit Antibiotika behandelt oder gar nach wenigen Tagen auf dem Geburtsbetrieb getötet. Trotz der präventiven Behandlungen ist die Sterblichkeit in der Kälbermast hoch. Viele Kälber leiden häufig an Durchfall oder Atemwegsentzündungen. Zudem werden die Kälber ohne Kontakt zu ihrer Mutter aufgezogen, was nicht artgerecht ist und zu Fehlverhalten führt.

Verlängerte Laktation ist hilfreich für die MuKa-Haltung

Eine Lösung kann eine verlängerte Laktation sein. Eine längere Laktationsdauer, das heisst eine spätere Besamung der Milchkühe, führt zu weniger Geburten und so zu einem kleineren Kälber-Überschuss. Damit eröffnet sich auch die Möglichkeit, dass die Kälber vermehrt auf ihrem Geburtsbetrieb und von ihrer Mutter aufgezogen werden können. Denn bei der muttergebundenen Kälberaufzucht stellt sich früher oder später die Frage nach dem Platz. Wenn man die Kälber drei oder mehr Monate bei der Mutter lässt und sie nicht nach wenigen Tagen verkauft, hat man viel mehr Kälber auf dem Betrieb und braucht dementsprechend mehr Platz. Man hat also zwei Möglichkeiten, entweder man schafft mehr Platz, oder man reduziert die Geburten. Dies ist durch eine verlängerte Laktation möglich. Doch um die verlängerte Laktation in die Praxis zu bringen, muss man zuerst das vorhandene Wissen dazu zusammentragen, verschiedene Fragen bezüglich der besten Umsetzung klären und dies alles der Öffentlichkeit und vor allem den Produzenten zugänglich machen.

Vorhandenes Wissen zur verlängerten Laktation

International gibt es bereits einige wissenschaftliche Arbeiten zur verlängerten Laktation. Um verschiedene Fragen zu klären und allfällige Wissenslücken zu identifizieren haben wir, mit finanzieller Unterstützung der Haldimann Stiftung, eine Literaturrecherche dazu gemacht. Ebenfalls wurden Praxisbefragungen durchgeführt von Betrieben, welche bereits verlängerte Laktation praktizieren. Das Fazit daraus ist:

Eine verlängerte Laktation ist durchaus möglich, auch in der grundfutterbetonten biologischen Milchproduktion. Eine Selektion der Kühe und ein angepasstes Management ist dabei entscheidend. Neben den Vorteilen im Bereich des Tierwohles kann eine verlängerte Laktation auch zu einer besseren Klima-Bilanz der Milchkühe führen. Es sind jedoch noch einige Fragen offen, vor allem in Bezug auf das beste Fütterungs-Management. Mit der verlängerten Laktation kann ein wichtiger Grundstein für die Weiterverbreitung der Mutter-Kalb-Haltung gelegt werden, was den Tierschutz für die Kälber in der Schweiz erheblich verbessert.

Möchtest du mehr darüber erfahren? Wir haben die Erkenntnisse aus unserer Literaturrecherche im Bereich Forschung online gestellt.

muttergebundene Kälberaufzucht