Wenn das Kalb bei seiner Mutter bleibt: Normal oder utopisch in der Milchproduktion?

18. August 2026

Fakt ist: Ohne Kalb gibt die Kuh keine Milch. Ist es dennoch utopisch, die Kühe und ihre Kälber gemeinsam zu halten in der Milchproduktion? Sind es nur «Spinner», welche dies wagen? Oder ist es die normalste Form der Milchproduktion?

Die grosse Frage in der Milchproduktion: Soll das Kälbchen (wieder) bei seiner Mutter aufwachsen dürfen? © Bernhard Trachsel

Nicht nur die Kuh produziert Milch, sondern auch viele andere Tiere, die uns Menschen heute sehr nahe stehen, wie beispielsweise Hunde, Katzen und Pferde. Sie alle ernähren ihre Jungtiere in den ersten Lebenswochen und -monaten mit ihrer Milch. Dies machen in der Natur auch die Kühe.

Bei Säugetieren ist es schlichtweg normal, dass das Jungtier von der Mutter mit Milch aufgezogen wird. Die Mutter-Kalb-Haltung (kurz MUKA) ist aus biologischer Perspektive somit die normale Form der Milchproduktion.

Bei der Kuh hat der Mensch durch Zucht gesteuert, dass die Kuh nach der Geburt des Kalbes deutlich mehr Milch produziert, als für die Ernährung ihres Kalbes erforderlich ist. Der Mensch hat also grundsätzlich die Möglichkeit, die Kuh zu melken UND das Kalb bei der Kuh zu lassen.

Die heutigen Milchkühe geben genug Milch, damit nebst dem Saugen auch noch Milch bleibt zum Melken. © Bernhard Trachsel

Beobachten wir die Milchkühe gemeinsam mit ihren Kälbern, wird schnell klar, dass sie eine sehr enge Bildung zu ihren Kälbern haben:

Mutter und Kalb geniessen gegenseitig Nähe. Die Kälbchen legen sich häufig sehr nahe zur Mutter. © Cowpassion
Die Mütter pflegen ihre Kälbchen mit sehr viel Hingabe. Dazu gehört auch ausgiebiges Ablecken. © Cowpassion
Auch wenn die Kälbchen schon grösser sind, bleibt die enge Verbindung zur Mutter.
© Cowpassion

Ein kleiner Rückblick

Früher war es trotz der Nutzung der Milch normal, das Kalb bei seiner Mutter zu belassen. Unser Verein Cowpassion ist bei seinen Recherchen auf das Buch «praktischer Haustierarzt» aus dem Jahr 1862 gestossen, in welchem die Mutter-Kalb-Haltung bereits beschrieben wurde. Mutter-Kalb-Haltung ist also keine neue Idee, sondern viel eher ein Revival eines über lange Zeit bewährten Produktionssystems. Das heisst nicht, dass MUKA altmodisch ist: MUKA lässt sich auch gut mit dem Einsatz von Melkrobotern kombinieren.

Heute sind MUKA-Milchproduzenten in der Schweiz dennoch die grosse Ausnahme, nur 1 von 1000 Milchbetrieben lässt die Kälbchen bei der Mutter. In den meisten Milchbetrieben werden Mutter und Kalb sofort getrennt.In der Schweiz musste im Jahr 2020 gar erst die rechtliche Situation geklärt werden, bevor die Mutter-Kalb-Haltung offiziell als legale Produktionsform anerkannt wurde.

Unter einem entsprechenden Medienbeitrag hat eine Konsumentin sinngemäss kommentiert: « Ich freue mich, wenn es in Zukunft einfach normal ist, Mutter und Kalb zusammen zu lassen –  und es in Zukunft keine Medienartikel mehr gibt über MUKA, da es schlichtweg normal ist».

Darauf freuen wir uns auch.

Nachfrage-Karte: Setze ein Zeichen für deine Region

Findest du es normal oder abstrus, Mutter und Kalb in der Milchproduktion zusammen zu halten?

Wir finden, es sollte wieder der Normalfall sein, dass die Milchkuh ihr Kälbchen behalten darf. Und wir glauben fest daran, dass es viele KonsumentInnen gibt, die das genau so sehen.

Setz jetzt ein Zeichen für die gemeinsame Haltung von Mutter und Kalb in deiner Region: Trage dich mit Vorname und PLZ auf unsere Nachfrage-Karte ein.

Sobald genug Einträge in einer Region vorhanden sind, können wir Läden, Gastrobetriebe und Verarbeiter damit ermutigen, Cowpassion-Produkte aus Mutter-Kalb-Haltung ins Sortiment aufzunehmen.

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Warum sind MUKA-Betriebe heute noch die Ausnahme? Dieser Frage gehen wir im folgenden Magazin-Beitrag nach.